Der häufigste Relaunch-Fehler ist ein zu früher Start im Design. Wer vor der Bestandsaufnahme gestaltet, übernimmt alte Probleme in eine schönere Oberfläche. Ein belastbarer Prozess beginnt deshalb mit Zielen, Daten und Verantwortlichkeiten.
Merksatz
Ein guter Relaunch bewahrt, was bereits funktioniert, verbessert gezielt die Schwachstellen und macht den Erfolg nach dem Launch messbar.
Phase 1: Ziele und Erfolgskriterien
Formuliere konkrete Gründe für den Relaunch: mehr qualifizierte Anfragen, bessere Verständlichkeit, leichter pflegbare Inhalte, eine stärkere Marke oder eine technisch stabilere Basis. Zu jedem Ziel gehört eine passende Kennzahl – beispielsweise Anfragen, organische Einstiege, wichtige Klicks oder die Zeit bis zur Veröffentlichung neuer Inhalte.
- Hauptziel und wichtigste Zielgruppen schriftlich festhalten
- Primäre Conversion je Seitentyp definieren
- Interne Entscheider und klare Freigaben benennen
- Budget, Zeitrahmen und Muss-Funktionen abgrenzen
Phase 2: Bestand und Daten prüfen
Vorhandene Seiten werden nicht pauschal gelöscht. Erfasse URLs, Inhalte, Rankings, Backlinks, Conversions und technische Besonderheiten. So wird sichtbar, welche Seiten Nachfrage bedienen, welche zusammengelegt werden können und wo echte Lücken bestehen.
Inhalt
Behalten, verbessern, entfernen
Jede URL bekommt eine Entscheidung. Veraltete oder doppelte Inhalte werden nicht ungeprüft migriert.
SEO
Wertvolle Signale sichern
Rankende Seiten, starke Verlinkungen und Suchintentionen fließen in die neue Struktur ein.
Technik
Abhängigkeiten dokumentieren
Formulare, Tracking, Schnittstellen, Downloads und Weiterleitungen werden vollständig erfasst.
Marke
Konsistenz bewerten
Ton, Bildsprache und Gestaltung werden auf Zielgruppe und Positionierung geprüft.
Phase 3: Informationsarchitektur und Inhalte
Erst jetzt entsteht die neue Sitemap. Sie folgt nicht der internen Organisation, sondern den Fragen und Aufgaben der Besucher. Für jede Seite werden Suchintention, Kernbotschaft, nächste Handlung und benötigte Inhalte festgelegt. Wireframes klären Hierarchie und Nutzerführung, bevor visuelle Details Zeit binden.
Gute Struktur reduziert Designschleifen: Wenn Inhalt und Priorität klar sind, muss die Oberfläche nicht erraten, was wichtig ist.
Phase 4: Design und Entwicklung
Das Designsystem definiert Typografie, Farben, Abstände, Komponenten und Zustände. Anschließend wird responsiv umgesetzt. Parallel sollten echte Inhalte einfließen – Blindtext verschleiert oft, ob Komponenten mit realen Überschriften, Tabellen, Bildern oder längeren Absätzen funktionieren.
Technisch gehören Performance, saubere Überschriftenstruktur, Tastaturbedienung, Formulare, Datenschutz und Redaktionserlebnis in die Abnahme. Bei WordPress ist außerdem wichtig, welche Bereiche später eigenständig gepflegt werden sollen.
Phase 5: Migration und Weiterleitungen
Für jede alte URL braucht es ein Ziel: identische neue URL, dauerhafte 301-Weiterleitung oder bewusste Entfernung. Weiterleitungsketten und pauschale Umleitungen auf die Startseite sind zu vermeiden. Metadaten, Medien, strukturierte Daten und interne Links werden ebenfalls kontrolliert übertragen.
SEO-kritisch
Die Weiterleitungsmatrix muss vor dem Go-live fertig und getestet sein. Sie ist kein Aufräumjob für danach.
Phase 6: Test, Launch und Monitoring
- Alle Seitentypen auf Smartphone, Tablet und Desktop prüfen
- Formulare inklusive Bestätigung und Zustellung testen
- Interne Links, Downloads, Canonicals und Metadaten kontrollieren
- Weiterleitungen mit der vollständigen URL-Liste testen
- Indexierbarkeit, Sitemap, Robots-Regeln und Tracking prüfen
- 404-Fehler, Rankings und Conversions nach dem Launch beobachten
Ein Relaunch endet nicht am Veröffentlichungstag. In den ersten Wochen werden Crawling, Fehlerprotokolle, Suchanfragen und Nutzerverhalten eng beobachtet. Mehr dazu findest du im Leitfaden SEO beim Website-Relaunch.