Ein Relaunch kann Sichtbarkeit verbessern – oder über Jahre aufgebaute Signale in wenigen Stunden beschädigen. Das Risiko entsteht meist nicht durch das neue Design, sondern durch veränderte URLs, fehlende Inhalte, falsche Indexierung und ungetestete Technik.
Grundregel
Keine bestehende URL darf verschwinden, ohne dass bewusst entschieden wurde, was mit ihrer Suchintention und ihrem Wert geschieht.
Vor dem Relaunch: vollständiges URL-Inventar
Die Ausgangsliste sollte nicht nur aus der Sitemap stammen. Ergänze URLs aus Analytics, Search Console, Backlink-Daten, dem aktuellen Crawling und internen Exporten. Gerade ältere Landingpages oder PDFs sind oft nicht mehr sichtbar verlinkt, können aber noch Reichweite oder externe Verweise besitzen.
- Indexierbare HTML-Seiten und wichtige Mediendateien erfassen
- Klicks, Impressionen, Rankings und Conversions je URL ergänzen
- Externe Links und interne Verlinkung berücksichtigen
- Statuscode, Canonical, Seitentitel und Indexierbarkeit prüfen
Inhalte nicht nach Bauchgefühl kürzen
Kurze oder gestalterisch alte Seiten können trotzdem eine klare Suchintention bedienen. Entscheidend ist, ob Inhalt Nachfrage beantwortet und geschäftlich relevant ist. Seiten werden erhalten, verbessert, sinnvoll zusammengeführt oder bewusst entfernt. Werden mehrere URLs kombiniert, muss das neue Ziel die Themen vollständig abdecken.
Ein Relaunch ist eine gute Gelegenheit für bessere Inhalte – aber keine Erlaubnis, bewährte Suchintentionen zu ignorieren.
Die Weiterleitungsmatrix
1:1
Gleichwertiges Ziel
Eine alte Leistungsseite verweist direkt auf die inhaltlich entsprechende neue Seite.
Merge
Inhalte zusammenführen
Mehrere ähnliche alte Seiten werden in einem umfassenden, passenden Ziel konsolidiert.
Keep
URL bewahren
Wenn Thema und Leistung bestehen, ist die unveränderte URL häufig die risikoärmste Lösung.
Remove
Bewusst entfernen
Nur ohne relevanten Ersatz. Der korrekte Status wird bewusst gewählt, statt alles zur Startseite zu schicken.
Dauerhafte Umzüge erhalten eine serverseitige 301-Weiterleitung. Vermeide Ketten wie Alt → Zwischenziel → Neu. Jede alte URL sollte direkt auf das finale Ziel führen. Query-Parameter, Sprachvarianten und abschließende Schrägstriche gehören in die Tests.
Onpage-Signale sauber übertragen
Auf der neuen Website brauchen alle wichtigen Seiten eindeutige Titel, Beschreibungen, Überschriften und interne Links. Canonicals zeigen auf die gewünschte indexierbare URL. Strukturierte Daten müssen zum sichtbaren Inhalt passen. Bilder erhalten sinnvolle Dateigrößen und Alt-Texte, wenn sie inhaltliche Bedeutung tragen.
Interne Verlinkung sollte direkt auf die neuen URLs zeigen. Sich innerhalb der Website auf Weiterleitungen zu verlassen, verschwendet Crawling und macht spätere Fehler schwerer erkennbar.
Technische Prüfung vor dem Go-live
- Testumgebung ist nicht indexierbar und nicht öffentlich verlinkt
- Produktivsystem entfernt Sperren beim Launch vollständig
- Canonicals, hreflang und Sitemaps verwenden die finale Domain
- 200-, 301-, 404- und mögliche 5xx-Statuscodes werden geprüft
- Robots-Regeln blockieren keine wichtigen Ressourcen oder Seiten
- Mobile Darstellung, Core Web Vitals und Formulare funktionieren
Launch-Falle
Ein versehentlich gesetztes noindex oder eine übernommene Staging-Sperre kann mehr Schaden verursachen als jede gestalterische Änderung.
Die ersten Wochen nach dem Launch
Reiche die neue XML-Sitemap ein und beobachte Abdeckung, Crawling, 404-Fehler, Rankings und organische Einstiege. Schwankungen sind möglich; starke Verluste auf wichtigen Seiten brauchen jedoch eine konkrete Ursachenanalyse. Prüfe, ob Weiterleitungen greifen, Inhalte vollständig sind und Suchmaschinen die gewünschte URL als Canonical wählen.
Das Monitoring sollte nach Priorität erfolgen: zuerst umsatznahe Seiten und URLs mit viel organischem Wert. Eine vollständige Projektübersicht bietet die Relaunch-Checkliste; zur laufenden Optimierung geht es unter SEO-Webdesign.